| arbeitsmed./ toxikolog. Forschung | |
| Einwirkungen - Kausalitäten | |
| Forschungspolitik & Gutachten | |
| Vom Wert der Arbeits-Pausen-Erforschung |
Aus der arbeitsmedizinischen und toxikologischen Forschung
- Kombinationswirkungen
1. Die Universität Würzburg hat 2008 ein sehr interessantes Forschungsprojekt zur Kombinationswirkung verschiedener chemischer Einwirkungen vorgestellt.
Lesen Sie aus der Kurzfassung der Veröffentlichung
hier: ![]()
|
Leitlinien der DGAUM für arbeitsmedizinisch relevantes ärztliches Handeln Folgende Leitlinien der DGAUM finden Sie unter: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm 1. Arbeiten unter Einwirkung von Blei und seinen Verbindungen 2. Arbeiten unter Einwirkung von Cadmium und seinen Verbindungen 3. Arbeiten unter Einwirkung von Quecksilber und seinen Verbindungen 4. Arbeit unter Einwirkung von Benzol, seinen Homologen oder Styrol 5. Arbeit unter Einwirkung von Kohlenmonoxid 6. Arbeit unter Einwirkung von Schwefelkohlenstoff 7. Arbeit unter Einwirkung von Asbeststaub 8. Arbeit unter Einwirkung von Lärm 9. Audiometrie in der Arbeitsmedizin 10. Arbeit unter Einwirkung von mechanischen Schwingungen (Ganzkörperschwingungen; Teilkörperschwingungen) 11. Arbeit unter Einwirkung von Wärmestrahlung 12. Arbeiten in Überdruck 13. Arbeiten mit Gefahr einer Infektion mit Hepatitis-Viren (A, B, C, D) 14. Lungenfunktionsprüfungen in der Arbeitsmedizin 15. Nutzung der Herzschlagfrequenz bei arbeitswissenschaftlichen Untersuchungen 16. Blutdruckmessung in der Arbeitsphysiologie 17. Elektromyographie in der Arbeitsphysiologie 18. Untersuchung der Händigkeit 19. Messung des Fettgehaltes des menschlichen Körpers 20. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen bei Belastung durch atembaren alveolengängigen Staub (A-Staub) 21. Herzrhythmusanalyse in der Arbeitsmedizin 22. Arbeit unter Einwirkung von organischen Phosphorverbindungen (Organophosphaten) 23. Umweltmedizinische Leitlinie "Quecksilber" 24. Prävention arbeitsbedingter obstruktiver Atemwegserkrankungen Die Leitlinien der DGAUM finden Sie unter: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm Die Website der DGAUM finden Sie hier: dgaum.de
|
[nach oben] | ||||
|
arbeitsmed./ toxikolog. Forschung
Nervenzellen: Stellschrauben der Signalstärke Die Kommunikation zwischen Nervenzellen unterliegt Steuerungsmechanismen, die komplizierter zusammenwirken als bisher angenommen.
Lesen Sie bitte hier : Weniger neu erschaffen als zusätzlich verdrahtenStammzellen mit ungeahnten Aufgaben im GehirnVon Kristin RaabeNeurologie. - Auch im erwachsenen Gehirn bilden sich neue Zellen und zwar täglich. Dass sich im Gehirn zudem offenbar Stammzellen befinden, die neue Nervenzellen bilden können, weckte sofort Hoffnungen auf neue Therapien.
Lesen Sie bitte (kritisch) hier:
40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmediuin und Umweltmedizin e.V. 15.-18.Mai 2000 in Berlin
Lesen Sie bitte hier Wissenschaftliches Programm der 45. Jahrestagung 2005 der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM)
Lesen Sie bitte hier Toxikologie von Arbeitsstoffen
Vorlesung-/Vortrags-Skript von Prof. Hermann M. Bolt°, Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfaDo)
Lesen Sie bitte hier
° Zur Erläuterung: Prof. Bolt ist einer der führenden Toxikologen Deutschlands und in der EU; er arbeitet industrienah und ist geistiger Ziehvater vieler derzeit tätiger Arbeitsmediziner hier zu Lande. Betroffene fürchten ihn als Gutachter; tatsächlich hat er Berufskrankheiten nur in einigen wenigen, ausgewählten Fällen erkennen können. Der Nachwuchs am IfADo arbeitet regelhaft im selben Geiste. Aus der arbeitsmedizinischen Forschung von Bergmannsheil/Ruhr-Universität Bochum - BG-Institut (Arbeiten dieser Anstalt sind kritisch zu lesen!)
Die Rolle verschiedener Einwirkungen bei der Krebsentstehung - Synkanzerogenese.
Eine Arbeit von Prof. Thomas Brüning, Leiter von Bergmannsheil.
Lesen Sie bitte hier Mechanismen der Störung der purinergen Signaltransduktion bei Humanmakrphagen und Excitabilität boviner chromaffiner Zellen durch Polychlorierte Biphenyle zum lesen klicken Sie bitte hier Deutsche Forschungsgemeinschaft
Toxikologie: DFG-Denkschrift 2000
Lesen Sie bitte hier Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA) Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) Gemeinsame wissenschaftliche Jahrestagung 2004 Lesen Sie bitte hier Wissenschaftliches Programm der 45. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. 2005
Lesen Sie bitte hier Arbeitsmedizinische Leitlinie Nacht- und Schichtarbeit
Lesen Sie bitte hier Atemwegserkrankungen und Umwelt: Staublunge und Atemwegskrebse
Lesen Sie bitte hier Vorlesung: "Einführung in die Humantoxikologie"
Lesen Sie bitte hier Praxis und Alltag des Arbeitsmediziners
Lesen Sie bitte hier
|
[nach oben] | ||||
|
Einwirkungen - Kausalitäten
Falls Sie sich als Laie für humantoxikologische Themen interessieren, sich schlau machen und wissen wollen, wie und was darüber an Universitäten gelehrt wird, empfehlen wir Ihnen, beispielsweise in die Vorlesungen des Prof. Dr. Jörg Oehlmann reinzuschauen. Sie sind wissenschaftlich sehr gut aufbereitet und auch für Laien ohne größeres Vorwissen gut verständlich.
Prof. Oehlmann ist Ökologe, Biologe und Zoologe und der biologischen Vielfalt verpflichtet.
Die Einführungsvorlesung V 1 ist dankenswerterweise per Google auf den Homepageseiten der - nach wie vor auch aus öffentlichen Steuergeldern finanzierten - Goethe-Universität zu Frankfurt am Main zu finden. Hier die Angaben:
Department of Ecology & Evolution - Ecotoxicology
Vorlesung von Prof. Dr. rer. nat. Jörg Oehlmann
"Einführung in die Humantoxikologie"
- Toxikologie wichtiger Organsysteme -
Goethe-University Frankfurt/M, Institute for Ecology, Evolution and Diverstiy:
Mit folgendem Link gelangen Sie zu den Vorlesungsfolien zur Vorlesung : http://www.bio-inf.uni-frankfurt.de/ee/ecotox/_files/teaching/hauptstudium/Humantox%20V-1.pdf
Prof. Dr. Jörg Oehlmann ist Autor bzw. Co-Autor u. a. folgender Bücher:
- Debatte um die Doppeldosis
Vortrag Prof. Woitowitz zur (u.a). Doppel-Dosis
"Begräbnis dritter Klasse" Kritische Stellungnahme von Dr. Angela Vogel und Dr. Werner Neumann
|
[nach oben] | ||||
|
Forschungspolitik & Gutachten
Warnung an alle Versicherten
Derzeit rufen MitarbeiterInnen der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München Versicherte an, die sich irgendwann einmal in dieser Klinik von einem der dort tätigen ÄrztInnen haben begutachten lassen müssen. Den Angerufenen wird mitgeteilt, man plane ein Forschungsprojekt. Da die Klagen Versicherter über das Gutachterunwesen nicht abrissen, wolle man so eine Art Qualitätskontrolle der an der Klinik gestellten gutachterlichen Diagnosen durchführen. Ob der Versicherte wohl bereit wäre, sich an diesem Forschungsprojekt zu beteiligen? Alles werde anonymisiert. Der Datenschutz werde strengstens gewahrt. Deshalb brauche man eben auch eine schriftliche Einwilligung des Versicherten. Wenig später kommt Post von der Klinik. Das Begleitschreiben enthält die Einverständniserklärung zur Teilnahme an einer telephonischen und schriftlichen Befragung, die der oder die Versicherte zurück senden soll - zusammen mit von ihm beantworteten Kurzfragebögen zu seiner gegenwärtigen seelischen Verfassung.
In dem Begleitschreiben kündigen die Projektmitarbeiter schon mal an, dass sie – wie ja nun schon telephonisch besprochen – die Versicherten "dazu in nächster Zeit erneut zu Hause anrufen" werden und mit ihnen "ein ca. 10-16-minütiges Gespräch führen" werden. Selbstverständlich wird jedem Empfänger zugesichert, alles bleibe ganz geheim: "Nur die drei Projektleiter haben im Rahmen der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften Zugang zu den vertraulichen Daten, in denen Sie namentlich genannt werden. Diese Personen unterliegen der Schweigepflicht und sind zur Beachtung des Datenschutz verpflichtet. Die Daten werden anonym ausgewertet. Auch in etwaigen Veröffentlichungen der Daten dieser Studie werden Sie nicht namentlich genannt.. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Ihre Einwilligung ohne Angabe von Gründen zurück zu ziehen. Dadurch entstehen Ihnen keinerlei Nachteile."
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter an diesem Projekt können den Versicherten andichten, was immer sie wollen. Niemand kann ihnen irgend etwas nachweisen. Und das wollen sie dann auch noch als Studie veröffentlichen! Da fragt man sich doch, ob das, was sich hier zu Lande Wissenschaft nennt, noch weiter runterkommen kann.2 Gerade diese Fragestellung bestärkt den ohnehin sehr beklemmenden Eindruck, dass es sich bei dem ganzen Projekt nur darum handelt, Früherwerbsrentner zu ködern und auf diesem Wege wieder an die gutachterliche Kandarre zu kriegen - mit dem Ziel, ihnen die bislang unbefristet gewährte Erwerbsunfähigkeitsrente angeblich begründet entziehen zu können. Alles in Allem kann dieses Pilotprojekt nur unzutreffende Ergebnisse bringen. Man könnte sogar sagen, dass der Ansatz selbst schon die Fälschung impliziert. Die freilich könnte die Rentenversicherer, Versorgungs-, Arbeits- und Sozialämter freuen, ist es doch mehr als nützlich, um Kosten zu senken. Wir wissen aus jüngster Vergangenheit ja bis zum Überdruss, wie das funktioniert: Mit der Studie in der Hand stolziert – z.B. – die Bildzeitung einher, wirft sich in die Brust und prangert 1) den Missbrauch von Sozialleistungen an. Die Politik muss reagieren. Die angegriffenen Sozialleistungsträger verschärfen also 2) die Begutachtungskrtierien und setzen Gutachter noch mehr unter Druck, zu Lasten der Solidargemeinschaft leichtfertig geurteilt zu haben. 3) kappt die Bundesregierung auf gesetzgeberischem Weg die Anspruchsgrundlagen für die medizinischen und die anderen Solidarleistungen noch weiter – beklatscht von dem Troß der ServiettenjournalistInnen3 und deren gierig-geilen Auftraggebern.
1Prädikatoren:Voraussetzungen/Eigenschaften 2Sie kann. In Freiburg läuft derzeit ein ´Forschungsprojekt´ an, in dem Fernheilung an MCS-Erkrankten wissenschaftlich erprobt und beforscht wird. Mit von der Partie bei der – telephonischen - Erstbefragung von Betroffenen ist eine Theologiestudentin im elften Semester. Ob hier der örtliche Bischof seine große Hand tief in die Schatulle des Bistums getaucht und sich auch Scientology der Not leidenden Deutschen Wissenschaft erbarmt hat? Aber vielleicht hat die Uni Freiburg auch nur zu viel Geld und gedachte, es den Dingen zwischen Himmel und Erde zukommen zu lassen, von denen der menschliche Geist immer schon so fasziniert war? – Bedenkt man es recht, ist es eigentlich auch nicht schlecht. Endlich getraut sich die Wissenschaft einzugestehen, was sie ist – ein mal makabres, mal illustres, meist aber staublungenoxidiertes Marionettenhappening. 3Serviettenjournalismus: Bei hochkarätigen Dinner-Einladungen liegen die Grünen, die Gelben und die Roten in der Serviette bei Tisch – gleich neben dem Namensschildchen.
|
[nach oben] | ||||
|
|
|||||
|
Vom
Wert der Arbeits-Pausen-Erforschung Gedanken
zu einer Studie des TÜV SÜD
Angela Vogel Jüngst hat sich der TÜV-Süd wieder mal mit einer Aufsehen erregenden Studie zu Wort gemeldet, dieses Mal mit einer Gemeinschaftsproduktion von Handelsblatt und EuPD Research[1]. Unter der Leitung der Arbeitspsychologin, Kerstin Reviol, erforschte die Gruppe, wie auspowerungsbereit Beschäftigte in der BRD, Österreich oder der Schweiz sind. Sie ließen Beschäftigte aus diesen drei Ländern befragen, ob in ihren Ländern die gesetzlichen Pausenregelungen eingehalten werden, ob sie sie selbst einhalten und wie ihre Meinung dazu sei. Bekanntlich sind Arbeitspausen gesetzlich geregelt, um ArbeitnehmerInnen eine langjährige Leistungsfähigkeit zu ermöglichen und frühzeitige Auspowerung zu verhindern, soweit das mit diesem Regulierungsinstrument möglich ist. Die TÜV-Studie scheint nun - je nach Standort des Betrachters oder der Betrachterin – erschreckende oder verblüffende bzw. beflügelnde Fakten zu offenbaren. Für die einen scheint sie ein gerüttelt Maß an augenscheinlicher Kurzsichtigkeit zu zeigen, für die anderen, dass da noch jede Menge ´Musik´ drin ist, die Arbeitsleistung vieler Beschäftigter durch Pausenwegfall weiter optimieren zu können. Nach diesen TÜV-Zahlen
gaben 40 % der in Deutschland arbeitenden Beschäftigten an, auf ihre
Mittagspause zu verzichten. In Österreich hätten dies 41 % bekannt, während
nur 25 % der in der Schweiz Beschäftigten keine Mittagspause in Anspruch
nähmen. Umgekehrt hätten 43 % der befragten Deutschen, 37 % der
befragten Österreicher und 45 % der befragten Schweizer angegeben, nur in
Ausnahmesituationen auch in der Mittagspause zu arbeiten. Gegen den Verzicht auf die gesetzlich vorgeschriebene Erholung sollen sich dagegen nur 17 % der befragten Deutschen, 22 % der befragten Österreicher und 29 % der befragten Schweizer ausgesprochen haben. Die Ergebnisse dieser Studie scheinen ein verblüffendes Ausmaß der Bejahung von Auspowerung und Ausbeutung der eigenen Arbeitskraft zu enthalten – Bejahung seitens der Ausgepowerten selbst. Im Vergleich scheinen es sogar die Deutschen zu sein, die den Wegfall der Wahrnehmung derartiger ArbeitnehmerInnenrechte am wenigsten kritisch finden – und entsprechend bereit, sich widerspruchslos in derartige Verhältnisse zu fügen. Ja, kann das sein? Sind insbesondere die deutschen Beschäftigten derart unterwürfig, dass sie nicht mehr von hier bis da denken können? Das mag man angesichts solcher Umfragewerte denken. Der TÜV hat hier zu Lande Renommeé und es besteht kein Grund, seinen Angaben zu misstrauen. Und so wandern die Gedanken in die damit vorgegebene Richtung, keimt Verständnis für dieses ´Sich-ins-Unvermeidliche-schicken´ oder aber Empörung der Art auf: Niemand muss sich wundern, dass die Zahl der chronisch kranken Früherwerbsunfähigen stetig zunimmt, die Wartezimmer der ÄrztInnen voll sind und die Kosten für die medizinische Versorgung ständig steigen. Der Preis für diese rücksichtslose Ausbeutung ist nicht nur steigenden Aktienkursen, sondern eben auch (und unter anderem) steigenden Kosten für Versorgung, Therapie und späterer Pflege immer mehr chronisch Kranker abzulesen. Des einen Verlust ist bekanntlich des anderen Gewinn. Aber das wird vielen erst dann schmerzlich zu Bewusstsein kommen, wenn der Staat überhaupt keine Steuermittel mehr in die Versorgung Kranker und all jener lenkt, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Aber was soll man ArbeitnehmerInnen sagen, die anscheinend froh sind, überhaupt noch ausgebeutet zu werden, sprich einen Arbeitsplatz zu haben oder wenigstens ein Prekariat? Oder was jenen, die glauben, eigentlich nichts essen und ihrem Körper keinen Augenblick Ruhe gönnen zu müssen, weil sie meinen, ihre Körper hätten ihnen unter allen Bedingungen zu gehorchen? Oder gar jene, die da glauben, ihre gesetzlich verbrieften Rechte für überflüssige Pflichten halten zu müssen? Das alles könnte man denken und sagen, sofern man ernst und für tatsächlich wissenschaftlich belastbar unterstellt, was der TÜV Süd hier mal so per Presseerklärung diversen Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen vorgelegt hat. Es ist ja auch so einfach, den abhängig Beschäftigten Unvernunft nachzusagen; sie in ihrer Mehrheit mit immer weiteren Behauptungen zu denunzieren – oder aber an Hand der hier verkündeten Ergebnisse für die Zielgruppe „Unternehmen“ die freudige Botschaft zu verbreiten, die Wegregulierung von Arbeitspausen für Belegschaften sei jetzt weit gehend unproblematisch durchzusetzen. Die Leute verzichteten mehrheitlich sowieso schon darauf. Doch genau hier verbirgt sich der Haken. Weder uns noch eben diesen Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen liegt die Studie selber vor – außer natürlich dem an diesem Forschungsprojekt beteiligten Handelsblatt. Kennen Sie Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen? Nein? Nun, sie verbreiten in der Regel völlig unkritisch die Presseerklärungen von Firmen und Forschungsinstituten. Selbst recherchieren sie in aller Regel nicht, geschweige, dass die RedakteurInnen Studien oder Forschungsberichte lesen. Meist teilen sie die Meinungen der Auftraggeber, schöpfen aus demselben (erb)-ideologisch-elitären Background, sind die Mundschenke der Meritokraten (Daniel Bell). Deshalb und dazu hat man sie schließlich berufen und bestallt – nach intensivster Durchleuchtung ihrer Her- und Hinkunft. Kommt hinzu: In Wissenschaftsmethodik sind Wissenschaftsredakteure selten geschult und wenn doch, dann meinen sie meist, das sei für das breite Publikum zu unverständlich. Die wenigsten Wirtschafts- und Wissenschaftsredakteure sind in der Lage, die Aussagekraft (Power) von Forschungsarbeiten zu beurteilen, die unter dem Label „wissenschaftlich“ daher stolzieren. Das finden sie auch nicht weiter nötig, weil für sie allemal entscheidender ist, wer die Studie veröffentlicht hat und nicht, was da drin steht und wie die (angeblichen) Erkenntnisse zu Stande gekommen sind oder sein mögen. Manipulation mittels angeblicher Wissenschaft ist hier kein Thema – dreht man selbst doch Tag für Tag eifrig mit am Rad der öffentlichen Gedankenmanipulation. Wir wie die genannten Redaktionen wissen nur, was der TÜV Süd in seiner Presseerklärung mitteilt – und das ist herzlich wenig. Es wird nicht bekannt gegeben, - wie die TeilnehmerInnen an der Befragung ausgewählt wurden, -
ob nach Beschäftigtengruppen unterschieden wurde -
welche Beschäftigtengruppen gebildet wurden -
ob sie repräsentativ für die wesentlichen Beschäftigtengruppen
in Deutschland, Österreich und der Schweiz waren/sind, - ob nach Branchen unterschieden wurde und danach, ob Beschäftigte in Lohnarbeit oder auf Honorarbasis: -
gewerblich -
verwaltend - logistisch arbeiteten – -
mit welchen Kompetenz und Weisungsbefugnissen, -
in Teil- oder Vollzeit -
befristet oder unbefristet, -
ob es Beschäftigte von Betrieben mit oder ohne Betriebsräte
sind/waren -
wie die Geschlechtsverteilung und - wie die Altersverteilung unter den Befragten war. Das alles und noch sehr
viel mehr erfahren wir nicht. Es leuchtet sofort ein, dass die Haltung zu den Pausenregelungen ganz wesentlich von all dem abhängt, was die individuelle Situation der Befragten bestimmt. Wir erfahren auch nicht, über welchen Zeitraum sich die Befragung erstreckte und wo sie stattfand. Es ergibt einen wesentlichen Unterschied, ob ein Interview auf der Straße im Vorbeigehen, am Telefon oder im Rahmen eines aufsuchenden Gesprächs durchgeführt wird. Auch das sind Faktoren, die Antworten zum Teil sogar sehr unsicher bzw. wenig zuverlässig machen können. Nicht zuletzt kommt es dabei auch auf Art und Gestaltung der Fragen an. Aber darüber gibt die Presseerklärung auch keine Auskünfte. Das alles macht es nahezu unmöglich, die wissenschaftliche Aussagekraft und belastbare Substanz dieser Arbeit von TÜV SÜD, Handelsblatt und dieser „business to business“-Firma EuPD auch nur im Entferntesten einzuschätzen oder gar zu erfassen. Das sollte und müsste größte Skepsis gegenüber dieser Arbeit erregen. Studien im Nebelschleier derart ausgeprägter Intransparenz – die wie im vorliegenden Fall zusätzlich über einen Kaufpreis von sage und schreibe 680 Euro vor unerwünschter Überprüfungsneugier abgesichert sind - sind in der Regel Auftragsarbeiten, wissenschaftlich nur dem Etikett nach und erstellt zu ganz anderen Zwecken. Es werden ja schon seit langem Studien zu dem einzigen Zweck gemacht, unter Verweis auf deren ´Forschungsergebnisse´, den unerbittlichen globalen und regionalen Konkurrenzkampf und mögliche Wettbewerbsverzerrungen unter den Firmen und den Ländern zu beklagen, um den – ja, wen? – - den heimischen Gesetzgeber, - die Gewerkschaften wie auch die - einzelnen ArbeitnehmerInnen am unteren Ende der Hierarchie wie vor allem in der Mitteletage vor Ort über derart produzierte Mehrheitsmeinungen und – haltungen zu ´unterrichten´ und sie gefügig zu machen – mit dem Ziel, die eigenen Interessen durchzusetzen. Hier scheint es offensichtlich darum zu gehen, Beschäftigte und deren Interessenvertreter dazu zu bewegen, auf so etwas wie Pausen und andere (aus Banken- und Unternehmenssicht) Produktivhemmnisse wie ausreichenden Schlaf, zuträgliche Arbeitszeiten, erträgliche Arbeitstag-/nachtlängen etc. zu verzichten und sich buchstäblich zu Tode abzurackern. Alles nach dem fast authentischen, aber wahren Originaltonmotto: Worauf Sie hier bestehen, das wollen ja selbst Ihre Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte nicht mehr. Nur 17 % der deutschen Arbeitnehmer sind nicht bereit, auf ihre Mittagspause zu verzichten. Das heißt, 83% sind bereit – bedenken Sie - 83%. Wenn Sie darauf bestehen, vertreten Sie nicht was Ihre Leute wirklich wollen. Was, das glauben Sie nicht? Ich kann es Ihnen nachweisen, wissenschaftlich nachweisen, selbstverständlich. Das hat eine Studie des TÜV SÜD erst kürzlich ergeben. Natürlich wollen wir es nicht übertreiben, Burn-out Syndrome wollen wir selbstverständlich vermeiden, wobei die Mittagspause einfach wegzulassen, „allein (..) kein Grund für ein Burn-out“ ist. Da sind wir mit der TÜV-Arbeitspsychologin völlig einig. Oder wie besagte Frau
Reviol im Pressetext getextet hat: „Die
Mittagspause einfach wegzulassen, sollte eine Ausnahme bleiben. Das
alleine ist zwar kein Grund für ein Burn-out, aber es kann der Beginn
einer schleichenden Entwicklung hin zu einer chronischen Überbelastung
sein. Pausen sind wichtig und sollten fest in den Tagesablauf eingeplant
werden, da ansonsten die Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt und mehr
Fehler passieren“. Und schon wird aus einer gesetzlich generell vorgeschriebenen Mittagspause eine zeitweilige. Freilich, sie sollte nicht zu oft ausgelassen werden – vorläufig jedenfalls. Darüber entscheiden soll aber der einzelne Arbeitnehmer und nicht wie jetzt noch, der Gesetzgeber. Das schränkt zu sehr ein. Mit der Beseitigung der derzeitigen Gesetzeslage vollzöge man nur, so macht man die Öffentlichkeit glauben, was sowieso längst geschieht – und: Widerstand ist zwecklos. Im Gegenteil. Die Gesetzgebung mache sich dadurch „ehrlicher“ – sagen all die großen und kleinen Abzocker und ihre PressedienerInnen. Vor wenigen Jahren redeten sie noch von Bürokratieabbau und meinten genau dasselbe: Weg mit den Gesetzen, die mich/uns und meine/unsere Geschäfte stören. Die Studie ist unter dem Titel "Gesundheitsmanagement 2010" erschienen, zu haben für satte 680 Euro – eben und wie schon gesagt „business to business“. (Quelle
der Presseerklärung: JournalMed vom 27.05.2010) [1])
Um EuPD Research einschätzen zu
können hier deren Eigenwerbung: Danach ist sie „ein international tätiger,
auf Business to Business-Marktforschung fokussierter
Full-Service-Dienstleister mit spezialisiertem und multilingualem
Interview Center. |
31.05.2010 | ||||
|
|
|
|
Falls
Sie über eine Suchmaschine oder einen externen Link auf diese Seite
gekommen sind, fehlen eventuell die Navigationsleisten.
|
|