arbeitsmed./ toxikolog. Forschung
Einwirkungen - Kausalitäten  
Forschungspolitik & Gutachten  
Vom Wert der Arbeits-Pausen-Erforschung  

Aus der arbeitsmedizinischen und toxikologischen Forschung

- Kombinationswirkungen

1. Die Universität Würzburg hat 2008 ein sehr interessantes Forschungsprojekt zur Kombinationswirkung verschiedener chemischer Einwirkungen vorgestellt. 

Lesen Sie aus der Kurzfassung der Veröffentlichung hier:

 


 

 

Leitlinien der DGAUM für arbeitsmedizinisch relevantes ärztliches Handeln

Folgende Leitlinien der DGAUM finden Sie unter: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm

1. Arbeiten unter Einwirkung von Blei und seinen Verbindungen 

2. Arbeiten unter Einwirkung von Cadmium und seinen Verbindungen 

3. Arbeiten unter Einwirkung von Quecksilber und seinen Verbindungen 

4. Arbeit unter Einwirkung von Benzol, seinen Homologen oder Styrol 

5. Arbeit unter Einwirkung von Kohlenmonoxid 

6. Arbeit unter Einwirkung von Schwefelkohlenstoff 

7. Arbeit unter Einwirkung von Asbeststaub 

8. Arbeit unter Einwirkung von Lärm 

9. Audiometrie in der Arbeitsmedizin 

10. Arbeit unter Einwirkung von mechanischen Schwingungen (Ganzkörperschwingungen;

Teilkörperschwingungen)

11. Arbeit unter Einwirkung von Wärmestrahlung 

12. Arbeiten in Überdruck 

13. Arbeiten mit Gefahr einer Infektion mit Hepatitis-Viren (A, B, C, D) 

14. Lungenfunktionsprüfungen in der Arbeitsmedizin

15. Nutzung der Herzschlagfrequenz bei arbeitswissenschaftlichen Untersuchungen 

16. Blutdruckmessung in der Arbeitsphysiologie 

17. Elektromyographie in der Arbeitsphysiologie 

18. Untersuchung der Händigkeit 

19. Messung des Fettgehaltes des menschlichen Körpers 

20. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen bei Belastung durch atembaren alveolengängigen Staub (A-Staub) 

21. Herzrhythmusanalyse in der Arbeitsmedizin 

22. Arbeit unter Einwirkung von organischen Phosphorverbindungen (Organophosphaten) 

23. Umweltmedizinische Leitlinie "Quecksilber" 

24. Prävention arbeitsbedingter obstruktiver Atemwegserkrankungen 

Die Leitlinien der DGAUM finden Sie unter: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm

Die Website der DGAUM finden Sie hier: dgaum.de


 


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arbeitsmed./ toxikolog. Forschung

 

 

Nervenzellen: Stellschrauben der Signalstärke

Die Kommunikation zwischen Nervenzellen unterliegt Steuerungsmechanismen, die komplizierter zusammenwirken als bisher angenommen.

 

Lesen Sie bitte hier :


Weniger neu erschaffen als zusätzlich verdrahten

Stammzellen mit ungeahnten Aufgaben im Gehirn

Von Kristin Raabe

Neurologie. - Auch im erwachsenen Gehirn bilden sich neue Zellen und zwar täglich. Dass sich im Gehirn zudem offenbar Stammzellen befinden, die neue Nervenzellen bilden können, weckte sofort Hoffnungen auf neue Therapien.

 

Lesen Sie bitte (kritisch) hier:


 

40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmediuin und Umweltmedizin e.V. 15.-18.Mai 2000 in Berlin

 

Lesen Sie bitte hier


Wissenschaftliches Programm der 45. Jahrestagung 2005 der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM)

 

Lesen Sie bitte hier


Toxikologie von Arbeitsstoffen  

 

Vorlesung-/Vortrags-Skript von Prof. Hermann M. Bolt°, Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfaDo)

 

Lesen Sie bitte hier

 

° Zur Erläuterung: Prof. Bolt ist einer der führenden Toxikologen Deutschlands und in der EU; er arbeitet industrienah und ist geistiger Ziehvater vieler derzeit tätiger Arbeitsmediziner hier zu Lande. Betroffene fürchten ihn als Gutachter; tatsächlich hat er Berufskrankheiten nur in einigen wenigen, ausgewählten Fällen erkennen können. Der Nachwuchs am IfADo arbeitet regelhaft im selben Geiste. 


Aus der arbeitsmedizinischen Forschung von Bergmannsheil/Ruhr-Universität Bochum - BG-Institut (Arbeiten dieser Anstalt sind kritisch zu lesen!) 

 

Die Rolle verschiedener Einwirkungen bei der Krebsentstehung - Synkanzerogenese.

 

Eine Arbeit von Prof. Thomas Brüning, Leiter von Bergmannsheil.

 

Lesen Sie bitte hier


Mechanismen der Störung der purinergen Signaltransduktion bei Humanmakrphagen und Excitabilität boviner chromaffiner Zellen durch Polychlorierte Biphenyle

zum lesen klicken Sie bitte hier


Deutsche Forschungsgemeinschaft

 

Toxikologie: DFG-Denkschrift 2000

 

Lesen Sie bitte hier


Österreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizin (ÖGA) Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) 

Gemeinsame wissenschaftliche Jahrestagung 2004

Lesen Sie bitte hier


Wissenschaftliches Programm der 45. Jahrestagung  der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. 2005

 

Lesen Sie bitte hier


Arbeitsmedizinische Leitlinie

Nacht- und Schichtarbeit

 

Lesen Sie bitte hier


Atemwegserkrankungen und Umwelt: Staublunge und Atemwegskrebse

 

Lesen Sie bitte hier


Vorlesung: "Einführung in die Humantoxikologie"

 

Lesen Sie bitte hier


Praxis und Alltag des Arbeitsmediziners

 

Lesen Sie bitte hier

 



 

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Einwirkungen - Kausalitäten

 

 

Falls Sie sich als Laie für humantoxikologische Themen interessieren, sich schlau machen und wissen wollen, wie und was darüber an Universitäten gelehrt wird, empfehlen wir Ihnen, beispielsweise in die Vorlesungen des Prof. Dr. Jörg Oehlmann reinzuschauen.  Sie sind wissenschaftlich sehr gut aufbereitet und auch für Laien ohne größeres Vorwissen gut verständlich.

 

Prof. Oehlmann ist Ökologe, Biologe und Zoologe und der biologischen Vielfalt verpflichtet.  

 

Die Einführungsvorlesung V 1 ist dankenswerterweise per Google auf den Homepageseiten der - nach wie vor auch aus öffentlichen Steuergeldern finanzierten - Goethe-Universität zu Frankfurt am Main zu finden. Hier die Angaben:  

 

 

 

Department of Ecology & Evolution - Ecotoxicology

 

 

Vorlesung von 

Prof. Dr. rer. nat. Jörg Oehlmann   

 

"Einführung in die Humantoxikologie"

 

- Toxikologie wichtiger Organsysteme -

 

Goethe-University Frankfurt/M, Institute for Ecology, Evolution and Diverstiy:

 

 

Mit folgendem Link gelangen Sie zu den Vorlesungsfolien zur Vorlesung

:

http://www.bio-inf.uni-frankfurt.de/ee/ecotox/_files/teaching/hauptstudium/Humantox%20V-1.pdf 

 

 

Prof. Dr. Jörg Oehlmann ist Autor bzw. Co-Autor u. a.  folgender Bücher: 


- Humantoxikologie: Eine Einführung für Apotheker, Ärzte, Natur- und Ingenieurwissenschaftler
- Praktikum zur Ökotoxikologie
- Ökotoxikologie. Ökosystemare Ansätze und Methoden
- Imposex bei Muriciden (Gastropoda, Prosobranchia). Eine ökotoxologische Untersuchung zu TBT-Effekten

 



 

- Debatte um die Doppeldosis

 

Vortrag Prof. Woitowitz zur (u.a). Doppel-Dosis

 

"Begräbnis dritter Klasse" Kritische Stellungnahme von Dr. Angela Vogel und Dr. Werner Neumann



 

 

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Forschungspolitik & Gutachten

 

 

Warnung an alle Versicherten

 

Derzeit rufen MitarbeiterInnen der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München Versicherte an, die sich irgendwann einmal in dieser Klinik von einem der dort tätigen ÄrztInnen haben begutachten lassen müssen. Den Angerufenen wird mitgeteilt, man plane ein Forschungsprojekt. Da die Klagen Versicherter über das Gutachterunwesen nicht abrissen, wolle man so eine Art Qualitätskontrolle der an der Klinik gestellten gutachterlichen Diagnosen durchführen. Ob der Versicherte wohl bereit wäre, sich an diesem Forschungsprojekt zu beteiligen? Alles werde anonymisiert. Der Datenschutz werde strengstens gewahrt. Deshalb brauche man eben auch eine schriftliche Einwilligung des Versicherten.

Wenig später kommt Post von der Klinik. Das Begleitschreiben enthält die Einverständniserklärung zur Teilnahme an einer telephonischen und schriftlichen Befragung, die der oder die Versicherte zurück senden soll - zusammen mit von ihm beantworteten Kurzfragebögen zu seiner gegenwärtigen seelischen Verfassung.

 

Abb.1

In dem Begleitbrief (siehe Abb. 1) ist allerdings keine Rede mehr von einer Überprüfung von Gutachten auf deren diagnostische Qualität. Das Forschungsprojekt heißt "Empirische Evaluation der Begutachtungspraxis und Identifikation prognostisch günstiger Prädiktoren bei Rentenbewerbern mit funktionellen körperlichen Beschwerden", Der Titel ist kaum verständlich, doch ist der Brief ansonsten sehr nett. Wer hätte kein menschliches Verständnis dafür, dass eine Klinik "die Begutachtung" ihrer "Patienten optimal gestalten" will und gerne wissen möchte, " was aus" ihren "ehemaligen Gutachtenpatienten geworden ist".

Warum und zu welchem Zweck sie das wissen wollen, steht in dem Schreiben allerdings nicht. Stattdessen hat man eine ganze Reihe von Fragen. Man will z.B. wissen, "wie wichtig" für die einst Begutachteten heute "körperliche Leistungsfähigkeit, Entspannungsfähigkeit/Ausgeglichenheit, Energie/Lebensfreude, Fortbewegungsfähigkeit (z.B. gehen, Auto fahren), Seh- und Hörvermögen, Angstfreiheit, Beschwerde- und Schmerzfreiheit und Unabhängigkeit von Hilfe/Pflege" ist. Und man will wissen, "wie zufrieden" die einst Begutachteten mit ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit und den anderen bereits erfragten Zuständen (s.o.) seien (siehe Abb. 2).

 

In dem Begleitschreiben kündigen die Projektmitarbeiter schon mal an, dass sie – wie ja nun schon telephonisch besprochen – die Versicherten "dazu in nächster Zeit erneut zu Hause anrufen" werden und mit ihnen "ein ca. 10-16-minütiges Gespräch führen"

werden.

Selbstverständlich wird jedem Empfänger zugesichert, alles bleibe ganz geheim: "Nur die drei Projektleiter haben im Rahmen der entsprechenden gesetzlichen Vorschriften Zugang zu den vertraulichen Daten, in denen Sie namentlich genannt werden. Diese Personen unterliegen der Schweigepflicht und sind zur Beachtung des Datenschutz verpflichtet. Die Daten werden anonym ausgewertet. Auch in etwaigen Veröffentlichungen der Daten dieser Studie werden Sie nicht namentlich genannt.. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Ihre Einwilligung ohne Angabe von Gründen zurück zu ziehen. Dadurch entstehen Ihnen keinerlei Nachteile."

 

Wir warnen alle Versicherten, sich an dieser Studie zu beteiligen. Wir warnen auch davor, sich am Telefon in irgendwelche Gespräche verwickeln zu lassen. Wir haben Hinweise darauf, dass telephonische Angaben oder auch nur Bemerkungen Versicherter dazu genutzt werden, sie zu psychopathologisieren oder, schlimmer, in ärztlichen Stellungnahmen zu Fällen für die Psychiatrie (Betreuung) zu erklären. Es ist gegenwärtig auch nicht mehr auszuschließen, dass Sozialleistungsanträge unter Bezugnahme auf irgendwelche Telephonate mit dem Versicherten und darin gemachte Äußerungen oder erhaltene Informationen abgelehnt werden.

Für Telephonate jeglicher Art mit SachbearbeiterInnen von Sozialleistungsträgern und/oder für sie tätige ÄrztInnen sollten sie immer im Hinterkopf behalten: Kein Versicherter kann beweisen, dass er etwas nicht, nicht so oder ganz anders gesagt hat. Die aber, die ihn angerufen haben, können lustig Aktennotizen anfertigen und in Ihrer Akte abheften. Was da drin steht, wird – kommt es Spitze auf Knopf – von niemandem bezweifelt – außer von Ihnen. doch damit stehen Sie dann allein.

Deshalb: Lassen Sie sich am Telefon auf nichts ein. Beenden Sie umgehend das Gespräch und verlangen Sie eine schriftliche Äußerung!

Das Forschungsprojekt der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums der Universität München fällt durch eine ganze Reihe von sehr sonderbaren Faktoren auf.

  1. Die Mitarbeiter rufen Versicherte an. Woher haben sie deren Telephonnummern?

  2. Die Mitarbeiter wissen, dass diese Versicherten irgendwann von einem Arzt ihrer Klinik begutachtet wurden. Woher wissen sie das? Normalerweise ergeht ein Begutachtungsauftrag nicht an die Klinik, sondern an einen bestimmten Gutachter, der das Gutachten dann auch nicht in seiner Funktion als Klinikmitarbeiter erstellt. Gibt es in dieser Klinik eine zentrale Gutachtendatenerfassung mit allen persönlichen Daten der erfassten Begtuachteten?

  3. Während der telephonischen Erstkontaktaufnahme wird mit der unzutreffenden Angabe operiert, man wolle im Rahmen eines Forschungsprojekts Begutachtungsqualitätskontrollen durchführen. Das muss jedem Versicherten gefallen und ihn auskunftsfreudig machen. Der Eindruck liegt nahe, hier ist der Köder Programm.

  4. Übersetzt man den Titel des Forschungsprojektes, so handelt es sich darum, diejenigen Versicherten unter den einst Begutachteten herauszufischen (zu identifizieren), die inzwischen wieder erwerbsfähig sein könnten, weil sie eine "günstige Prognose" hatten und zwar in Hinblick auf ihre "Prädiktoren"1

  5. Ziel und Zweck dieses Forschungsvorhabens werden nicht genannt. Stattdessen umwirbt man die Versicherten mit zuckersüßem Zungenschlag und sichert ihm wortreich Anonymität zu – als sei das nicht selbstverständlich und der eigentliche wunde Punkt an dieser Chose.

  6. Die Rolle des Telephons muss mehr als skeptisch stimmen. Was im Eingangs- und in dem Folgetelephonat gesagt oder nicht gesagt wird, ist nicht zu kontrollieren. Die Überprüfbarkeit aber ist das A und O einer wissenschaftlichen Arbeit. Das Projekt der Klinik kann schon deshalb wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen. Oder um es noch klarer zu sagen:

  7. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter an diesem Projekt können den Versicherten andichten, was immer sie wollen. Niemand kann ihnen irgend etwas nachweisen. Und das wollen sie dann auch noch als Studie veröffentlichen! Da fragt man sich doch, ob das, was sich hier zu Lande Wissenschaft nennt, noch weiter runterkommen kann.2

  8. Die Fragestellung des Forschungsprojekts lässt eine mehr als bedenkliche Zielrichtung erkennen. Warum will man ausdrücklich nur die prognostisch günstigen Prädiktoren bei solchen Rentenbewerbern identifizieren, die funktionelle körperliche Beschwerden haben? Warum nicht auch die prognostisch ungünstigen Prädikatoren bei dem Personenkreis, wenn es denn tatsächlich um eine empirische Evaluation der Begutachtungspraxis gehen soll? Die Begutachtungspraxis schließt immerhin alle Versicherten ein, egal ob die Gutachter bei ihnen prognostisch günstige oder ungünstige Prädikatoren zu erkennen vermeinten.

  9. Gerade diese Fragestellung bestärkt den ohnehin sehr beklemmenden Eindruck, dass es sich bei dem ganzen Projekt nur darum handelt, Früherwerbsrentner zu ködern und auf diesem Wege wieder an die gutachterliche Kandarre zu kriegen - mit dem Ziel, ihnen die bislang unbefristet gewährte Erwerbsunfähigkeitsrente angeblich begründet entziehen zu können.

  10. Dafür spricht auch: Die mitgeschickten Fragenkataloge zielen ausschließlich auf psychische Befindlichkeiten. Wir wissen aber aus zahlreichen Kasuistiken (medizinischen Fallgeschichten), dass Versicherte mit diagnostisch gesicherten schlimmen neurologischen, internistischen, dermatologischen, allergologischen und/oder orthopädischen Gesundheitsschäden gezwungen wurden, sich in dieser und in anderen Psycho-Kliniken einzufinden, weil die Versorgungsämter und Rentenversicherer die Diagnosen für nicht ausreichend hielten. Das aber heißt, dass dieses Projekt schon im Ansatz an der Problematik vorbei geht.

Alles in Allem kann dieses Pilotprojekt nur unzutreffende Ergebnisse bringen. Man könnte sogar sagen, dass der Ansatz selbst schon die Fälschung impliziert.

Die freilich könnte die Rentenversicherer, Versorgungs-, Arbeits- und Sozialämter freuen, ist es doch mehr als nützlich, um Kosten zu senken. Wir wissen aus jüngster Vergangenheit ja bis zum Überdruss, wie das funktioniert: Mit der Studie in der Hand stolziert – z.B. – die Bildzeitung einher, wirft sich in die Brust und prangert 1) den Missbrauch von Sozialleistungen an. Die Politik muss reagieren. Die angegriffenen Sozialleistungsträger verschärfen also 2) die Begutachtungskrtierien und setzen Gutachter noch mehr unter Druck, zu Lasten der Solidargemeinschaft leichtfertig geurteilt zu haben. 3) kappt die Bundesregierung auf gesetzgeberischem Weg die Anspruchsgrundlagen für die medizinischen und die anderen Solidarleistungen noch weiter – beklatscht von dem Troß der ServiettenjournalistInnen3  und deren gierig-geilen Auftraggebern.

 

1Prädikatoren:Voraussetzungen/Eigenschaften

2Sie kann. In Freiburg läuft derzeit ein ´Forschungsprojekt´ an, in dem Fernheilung an MCS-Erkrankten wissenschaftlich erprobt und beforscht wird. Mit von der Partie bei der – telephonischen - Erstbefragung von Betroffenen ist eine Theologiestudentin im elften Semester. Ob hier der örtliche Bischof seine große Hand tief in die Schatulle des Bistums getaucht und sich auch Scientology der Not leidenden Deutschen Wissenschaft erbarmt hat? Aber vielleicht hat die Uni Freiburg auch nur zu viel Geld und gedachte, es den Dingen zwischen Himmel und Erde zukommen zu lassen, von denen der menschliche Geist immer schon so fasziniert war? – Bedenkt man es recht, ist es eigentlich auch nicht schlecht. Endlich getraut sich die Wissenschaft einzugestehen, was sie ist – ein mal makabres, mal illustres, meist aber staublungenoxidiertes Marionettenhappening.

3Serviettenjournalismus: Bei hochkarätigen Dinner-Einladungen liegen die Grünen, die Gelben und die Roten in der Serviette bei Tisch – gleich neben dem Namensschildchen.

 

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Vom Wert der Arbeits-Pausen-Erforschung

Gedanken zu einer Studie des TÜV SÜD

    Angela Vogel

Jüngst hat sich der TÜV-Süd wieder mal mit einer Aufsehen erregenden Studie zu Wort gemeldet, dieses Mal mit einer Gemeinschaftsproduktion von Handelsblatt und EuPD Research[1].

Unter der Leitung der Arbeitspsychologin, Kerstin Reviol, erforschte die Gruppe, wie auspowerungsbereit Beschäftigte in der BRD, Österreich oder der Schweiz sind. Sie ließen Beschäftigte aus diesen drei Ländern befragen, ob in ihren Ländern die gesetzlichen Pausenregelungen eingehalten werden, ob sie sie selbst einhalten und wie ihre Meinung dazu sei.

Bekanntlich sind Arbeitspausen gesetzlich geregelt, um ArbeitnehmerInnen eine langjährige Leistungsfähigkeit zu ermöglichen und frühzeitige Auspowerung zu verhindern, soweit das mit diesem Regulierungsinstrument möglich ist.

Die TÜV-Studie scheint nun - je nach Standort des Betrachters oder der Betrachterin – erschreckende oder verblüffende bzw. beflügelnde Fakten zu offenbaren. Für die einen scheint sie ein gerüttelt Maß an augenscheinlicher Kurzsichtigkeit zu zeigen, für die anderen, dass da noch jede Menge ´Musik´ drin ist, die Arbeitsleistung vieler Beschäftigter durch Pausenwegfall weiter optimieren zu können.

Nach diesen TÜV-Zahlen gaben 40 % der in Deutschland arbeitenden Beschäftigten an, auf ihre Mittagspause zu verzichten. In Österreich hätten dies 41 % bekannt, während nur 25 % der in der Schweiz Beschäftigten keine Mittagspause in Anspruch nähmen. Umgekehrt hätten 43 % der befragten Deutschen, 37 % der befragten Österreicher und 45 % der befragten Schweizer angegeben, nur in Ausnahmesituationen auch in der Mittagspause zu arbeiten.

Gegen den Verzicht auf die gesetzlich vorgeschriebene Erholung sollen sich dagegen nur 17 % der befragten Deutschen, 22 % der befragten Österreicher und 29 % der befragten Schweizer ausgesprochen haben.

Die Ergebnisse dieser Studie scheinen ein verblüffendes Ausmaß der Bejahung von Auspowerung und Ausbeutung der eigenen Arbeitskraft zu enthalten – Bejahung seitens der Ausgepowerten selbst. Im Vergleich scheinen es sogar die Deutschen zu sein, die den Wegfall der Wahrnehmung derartiger ArbeitnehmerInnenrechte am wenigsten kritisch finden – und entsprechend bereit, sich widerspruchslos in derartige Verhältnisse zu fügen.

Ja, kann das sein? Sind insbesondere die deutschen Beschäftigten derart unterwürfig, dass sie nicht mehr von hier bis da denken können?

Das mag man angesichts solcher Umfragewerte denken. Der TÜV hat hier zu Lande Renommeé und es besteht kein Grund, seinen Angaben zu misstrauen. Und so wandern die Gedanken in die damit vorgegebene Richtung, keimt Verständnis für dieses ´Sich-ins-Unvermeidliche-schicken´ oder aber Empörung der Art auf: Niemand muss sich wundern, dass die Zahl der chronisch kranken Früherwerbsunfähigen stetig zunimmt, die Wartezimmer der ÄrztInnen voll sind und die Kosten für die medizinische Versorgung ständig steigen. Der Preis für diese rücksichtslose Ausbeutung ist nicht nur steigenden  Aktienkursen, sondern eben auch (und unter anderem) steigenden Kosten für Versorgung, Therapie und späterer Pflege immer mehr chronisch Kranker abzulesen. Des einen Verlust ist bekanntlich des anderen Gewinn. Aber das wird vielen erst dann schmerzlich zu Bewusstsein kommen, wenn der Staat überhaupt keine Steuermittel mehr in die Versorgung Kranker und all jener lenkt, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften.

Aber was soll man ArbeitnehmerInnen sagen, die anscheinend froh sind, überhaupt noch ausgebeutet zu werden, sprich einen Arbeitsplatz zu haben oder wenigstens ein Prekariat? Oder was jenen, die glauben, eigentlich nichts essen und ihrem Körper keinen Augenblick Ruhe gönnen zu müssen, weil sie meinen, ihre Körper hätten ihnen unter allen Bedingungen zu gehorchen? Oder gar jene, die da glauben, ihre gesetzlich verbrieften Rechte für überflüssige Pflichten halten zu müssen?

Das alles könnte man denken und sagen, sofern man ernst und für tatsächlich wissenschaftlich belastbar unterstellt, was der TÜV Süd hier mal so per Presseerklärung diversen Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen vorgelegt hat.

Es ist ja auch so einfach, den abhängig Beschäftigten Unvernunft nachzusagen; sie in ihrer Mehrheit mit immer weiteren Behauptungen zu denunzieren – oder aber an Hand der hier verkündeten Ergebnisse für die Zielgruppe „Unternehmen“ die freudige Botschaft zu verbreiten, die Wegregulierung von Arbeitspausen für Belegschaften sei jetzt weit gehend unproblematisch durchzusetzen. Die Leute verzichteten mehrheitlich sowieso schon darauf.

Doch genau hier verbirgt sich der Haken.

Weder uns noch eben diesen Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen liegt die Studie selber vor – außer natürlich dem an diesem Forschungsprojekt beteiligten Handelsblatt.

Kennen Sie Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen? Nein? Nun, sie verbreiten in der Regel völlig unkritisch die Presseerklärungen von Firmen und Forschungsinstituten. Selbst recherchieren sie in aller Regel nicht, geschweige, dass die RedakteurInnen Studien oder Forschungsberichte lesen. Meist teilen sie die Meinungen der Auftraggeber, schöpfen aus demselben (erb)-ideologisch-elitären Background, sind die Mundschenke der Meritokraten (Daniel Bell). Deshalb und dazu hat man sie schließlich berufen und bestallt – nach intensivster Durchleuchtung ihrer Her- und Hinkunft. Kommt hinzu: In Wissenschaftsmethodik sind Wissenschaftsredakteure selten geschult und wenn doch, dann meinen sie meist, das sei für das breite Publikum zu unverständlich. Die wenigsten Wirtschafts- und Wissenschaftsredakteure sind in der Lage, die Aussagekraft (Power) von Forschungsarbeiten zu beurteilen, die unter dem Label „wissenschaftlich“ daher stolzieren. Das finden sie auch nicht weiter nötig, weil für sie allemal entscheidender ist, wer die Studie veröffentlicht hat und nicht, was da drin steht und wie die (angeblichen) Erkenntnisse zu Stande gekommen sind oder sein mögen. Manipulation mittels angeblicher Wissenschaft ist hier kein Thema – dreht man selbst doch Tag für Tag eifrig mit am Rad der öffentlichen Gedankenmanipulation.

Wir wie die genannten Redaktionen wissen nur, was der TÜV Süd in seiner Presseerklärung mitteilt – und das ist herzlich wenig.

Es wird nicht bekannt gegeben,

-         wie die TeilnehmerInnen an der Befragung ausgewählt wurden,

-         ob nach Beschäftigtengruppen unterschieden wurde

-         welche Beschäftigtengruppen gebildet wurden

-         ob sie repräsentativ für die wesentlichen Beschäftigtengruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz waren/sind,

-         ob nach Branchen unterschieden wurde und danach, ob Beschäftigte in Lohnarbeit oder auf Honorarbasis:

-         gewerblich

-         verwaltend

-         logistisch

arbeiteten –

-         mit welchen Kompetenz und Weisungsbefugnissen,

-         in Teil- oder Vollzeit

-         befristet oder unbefristet,

-         ob es Beschäftigte von Betrieben mit oder ohne Betriebsräte sind/waren

-         wie die Geschlechtsverteilung

und

-         wie die Altersverteilung unter den Befragten war.

Das alles und noch sehr viel mehr erfahren wir nicht.

Es leuchtet sofort ein, dass die Haltung zu den Pausenregelungen ganz wesentlich von all dem abhängt, was die individuelle Situation der Befragten bestimmt.

Wir erfahren auch nicht, über welchen Zeitraum sich die Befragung erstreckte und wo sie stattfand. Es ergibt einen wesentlichen Unterschied, ob ein Interview auf der Straße im Vorbeigehen, am Telefon oder im Rahmen eines aufsuchenden Gesprächs durchgeführt wird. Auch das sind Faktoren, die Antworten zum Teil sogar sehr unsicher bzw. wenig zuverlässig machen können. Nicht zuletzt kommt es dabei auch auf Art und Gestaltung der Fragen an. Aber darüber gibt die Presseerklärung auch keine Auskünfte.

Das alles macht es nahezu unmöglich, die wissenschaftliche Aussagekraft und belastbare Substanz dieser Arbeit von TÜV SÜD, Handelsblatt und dieser „business to business“-Firma EuPD auch nur im Entferntesten einzuschätzen oder gar zu erfassen.

Das sollte und müsste größte Skepsis gegenüber dieser Arbeit erregen.

Studien im Nebelschleier derart ausgeprägter Intransparenz – die wie im vorliegenden Fall zusätzlich über einen Kaufpreis von sage und schreibe 680 Euro vor unerwünschter Überprüfungsneugier abgesichert sind - sind in der Regel Auftragsarbeiten, wissenschaftlich nur dem Etikett nach und erstellt zu ganz anderen Zwecken.

Es werden ja schon seit langem Studien zu dem einzigen Zweck gemacht, unter Verweis auf deren ´Forschungsergebnisse´, den  unerbittlichen globalen und regionalen Konkurrenzkampf und mögliche Wettbewerbsverzerrungen unter den Firmen und den Ländern zu beklagen, um den – ja, wen? –

- den heimischen Gesetzgeber,

- die Gewerkschaften wie auch die

- einzelnen ArbeitnehmerInnen am unteren Ende der Hierarchie wie vor allem in der Mitteletage vor Ort

über derart produzierte Mehrheitsmeinungen und – haltungen zu ´unterrichten´ und sie gefügig zu machen – mit dem Ziel, die eigenen Interessen durchzusetzen. Hier scheint es offensichtlich darum zu gehen, Beschäftigte und deren Interessenvertreter dazu zu bewegen, auf so etwas wie Pausen und andere (aus Banken- und Unternehmenssicht) Produktivhemmnisse wie ausreichenden Schlaf, zuträgliche Arbeitszeiten, erträgliche Arbeitstag-/nachtlängen etc. zu verzichten und sich buchstäblich zu Tode abzurackern.

Alles nach dem fast authentischen, aber wahren Originaltonmotto:

Worauf Sie hier bestehen, das wollen ja selbst Ihre Gewerkschaftsmitglieder und Betriebsräte nicht mehr. Nur 17 % der deutschen Arbeitnehmer sind nicht bereit, auf ihre Mittagspause zu verzichten. Das heißt, 83% sind bereit – bedenken Sie - 83%. Wenn Sie darauf bestehen, vertreten Sie nicht was Ihre Leute wirklich wollen. Was, das glauben Sie nicht? Ich kann es Ihnen nachweisen, wissenschaftlich nachweisen, selbstverständlich. Das hat eine Studie des TÜV SÜD erst kürzlich ergeben. Natürlich wollen wir es nicht übertreiben, Burn-out Syndrome wollen wir selbstverständlich vermeiden, wobei die Mittagspause einfach wegzulassen, „allein (..) kein Grund für ein Burn-out“ ist. Da sind wir mit der TÜV-Arbeitspsychologin völlig einig.

Oder wie besagte Frau Reviol im Pressetext getextet hat:

„Die Mittagspause einfach wegzulassen, sollte eine Ausnahme bleiben. Das alleine ist zwar kein Grund für ein Burn-out, aber es kann der Beginn einer schleichenden Entwicklung hin zu einer chronischen Überbelastung sein. Pausen sind wichtig und sollten fest in den Tagesablauf eingeplant werden, da ansonsten die Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt und mehr Fehler passieren“.

Und schon wird aus einer gesetzlich generell vorgeschriebenen Mittagspause eine zeitweilige. Freilich, sie sollte nicht zu oft ausgelassen werden – vorläufig jedenfalls. Darüber entscheiden soll aber der einzelne Arbeitnehmer und nicht wie jetzt noch, der Gesetzgeber. Das schränkt zu sehr ein. Mit der Beseitigung der derzeitigen Gesetzeslage vollzöge man nur, so macht man die Öffentlichkeit glauben, was sowieso längst geschieht – und: Widerstand ist zwecklos. Im Gegenteil. Die Gesetzgebung mache sich dadurch „ehrlicher“ – sagen all die großen und kleinen Abzocker und ihre PressedienerInnen. Vor wenigen Jahren redeten sie noch von Bürokratieabbau und meinten genau dasselbe: Weg mit den Gesetzen, die mich/uns und meine/unsere Geschäfte stören. 

Die Studie ist unter dem Titel "Gesundheitsmanagement 2010" erschienen, zu haben für satte 680 Euro – eben und wie schon gesagt „business to business“.

(Quelle der Presseerklärung: JournalMed vom 27.05.2010)


[1]) Um EuPD Research einschätzen zu können hier deren Eigenwerbung: Danach ist sie „ein international tätiger, auf Business to Business-Marktforschung fokussierter Full-Service-Dienst­lei­ster mit spezialisiertem und multilingualem Interview Center.

31.05.2010



 

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